(Meinen Beitrag zur ersten Staffel ’til Death, der auf serienjunkies.de erschienen ist, wollte ich schon länger mal hier posten. Also voilà.)
Am Donnerstag, dem 14.2. ist Valentinstag und scheinbar anlässlich zum Tag der Liebenden läuft die Premiere der Sitcom ‘Ehe ist…’ auf Comedy Central. Der Sender strahlt die Serie in deutscher Erstausstrahlung jeweils Donnerstag abends ab 21:15 Uhr in Doppelfolgen aus.
Ja, die Ehe. Sie gilt als der Liebesbeweis in einer Beziehung. Zusammen geht man durch Höhen und Tiefen des Alltags und am Ende ist man einfach nur glücklich sich zu haben, egal was vorher war. Das thematisiert auch diese Serie ‘Ehe ist …’. Zum Einen die Ehe von Eddie (Brad Garret – Everybody loves Raymond, Ratatouille) und Joy Stark (Joely Fisher, Desperate Houswives, Ellen), beide über 40 und seit gut 25 Jahren verheiratet. Und zum Anderen die des jungen, frisch verheirateten Paares Jeff (Eddie Kaye Thomas – American Pie) und Stephanie Woodcook (Kat Foster), die gerade in das Nachbarhaus einer Vorortssiedlung eingezogen sind.
Inhalt
Der Alltag ist für Eddie und Joy einfach nicht mehr so aufregend wie in den ersten Jahren, besonders wenn er eher griesgrämig vor sich hin lebt. Von Romantik hat er keine Ahnung, aber dafür kann er seiner Gattin immer genau sagen, warum sie ihn gerade nervt und warum das wieder typisch Frau ist. Aber nach so vielen Jahre, die man zusammen verbracht hat, kämpft man sich durch die Tücken des Alltags und irgendwann erreicht man einfach den Punkt an dem einem alles egal ist. Darum haben die beiden sich zum 40. Geburtstag die ‘Erlaubnis’ dick zu werden geschenkt. Eddie arbeitet als Geschichtslehrer an einer High School und Joy in einem Reisebüro, auf dessen Kosten sie schon öfters hätten in den Urlaub fliegen können, aber Eddie weigert sich einfach und das nicht erst seitdem ihre Tochter Alli (in Gastauftritten Krysten Ritter, Gilmore Girls, Veronica Mars) auf dem College ist. So bleibt den Beiden nur das Fernsehen und Beobachten der Nachbarn als gemeinsame Aktivität. Zweiteres wird besonders Eddie zum Ärgernis, denn die neuen Nachbarn Stephanie und Jeff Woodcook sind ein Musterbeispiel für eine harmonierende Ehe. Gemeinsames joggen, viel Feuer in der Beziehung, Abendessen bei Kerzenschein – nicht nur am Wochenende – und streiten tun sie sich sowieso nicht, bis dahin zumindest. Das Glück der Woodcooks und die Tatsache, dass Jeff der neue stellvertretende Direktor an der High School ist, geht Eddie gründlich gegen den Strich. Denn er kann dem plappernden Nachbarn weder privat noch beruflich aus dem Weg gehen.
Während sich Eddie meistens eher über den Kitsch aufregt und die Tatsache, dass er vermeintlich mehr Ahnung über die Ehe hat als Jeff predigt, versucht Joy Anregungen durch das jungen Paar zu bekommen. Was sich als eher schwer erweist, da Eddie mit Motti wie „Männer wollen Spaß, Frauen greifen sich diesen, führen ihn in den Wald und erschießen ihn.“ und „Man heiratet nur, um jemanden zu haben der einen ins Krankenhaus fährt.“ keinerlei Interesse an dem Liebesspiel der Woodcooks hat. So werden meistens alltägliche Beziehungssituationen, die nicht mal allzu überzogen sind, gezeigt, die das eine, aber nicht das andere Paar hat. Im Grund werden die beiden Ehen einfach gegenüber gestellt und das Ergebnis heißt so gut wie immer nur Schlechtes für Eddie. Dadurch wird auch deutlich, dass er – trotz der 4 Hauptcharaktere – der eigentliche Protagonist ist; es wird auch niemand außer er bei der Arbeit gezeigt, höchstens Jeff.
Im Laufe der Staffel entwickelt sich dann ein sehr schönes Wechselspiel zwischen den Männern, die neben der Tatsache, dass sie Nachbarn sind auch zusammen zur Arbeit fahren und – dank der Frauen – so manch Nachmittag oder Abend zusammen verbringen; was für Eddie eine weitaus schlimmere Situation ist als für Jeff. Dieser ist trotz des ersten Eindrucks, dass Eddie „ein merkwürdiger Mensch ist“ ziemlich angetan von seinem neuen Kollegen und versucht den Kontakt zu vertiefen. Eddie bleibt da seiner Natur treu und sieht das alles sehr emotionslos. Daher läuft es darauf hinaus, dass es bei Gesprächen immer um die Ehe geht und nicht um die beiden selbst. Mal wird klar gestellt, wer mehr über Frauen weiß, mal wird sich gegenseitig aus der Patsche geholfen, mal wird sich auch einfach nur angestänkert, weil der Streit des jeweils anderen Paares „ansteckend“ ist. Die Beziehung zwischen Joy und Steph verläuft wesentlich zweispuriger, da Frauen nun mal zusammenhalten, aber das sollte ja bekannt sein. Auch das hat Nebenwirkungen für Eddie, da Joy erst durch Anregungen von Steph (und Jeff) versucht neuen Schwung in die Ehe zu bringen oder einfach ohne zu fragen neue Möbel für Terrasse kauft.
Bemerkungen
Ursprünglich sollte die Serie ‘Bis das der Tod uns scheidet’ heißen, was sehr nah am Original (’Til Death) angelehnt wäre. Was nun für die Änderung verantwortlich war, ist unklar, aber der jetzige Titel sagt genauso viel über das Thema der Serie aus wie der erste. Den Titel zu übernehmen wäre wohl zu einfach gewesen.
Sonstiges Makel der deutschen Variante bleibt die Synchronisation. Denn Brad Garret ist für viele Serienjunkies sicherlich noch ein bekanntes Gesicht, so dass da auffällt, dass er nicht seine aus Everybody loves Raymond ‘altbekannte’ Synchronstimme hat. Besser gelöst wurde es hingegen mit Jeff, denn er hat seine American Pie – Stimme. Verwirrend könnten die Frauen klingen, da zum Einen Steph mit der Stimme einer American Pie Figur spricht – was auch Absicht gewesen sein könnte - zum Anderen Joy, die die selbe Synchronstimme hat wie Elliot aus Scrubs. Das ist für Fans vielleicht gar nicht so einfach, da man ein anderen bekanntes Gesicht vor Augen hat, wenn sie spricht. Man muss aber zu Verteidigung der Studios sagen, dass Joely Fisher bereits in der deutschen Synchronisation von „Ellen“ von ihr gesprochen wurde. Gerade deswegen verstehe ich auch nicht, warum das bei Brad Garret nicht ebenso gemacht wurde. Vom Alter her passt es überall, nur eben bei Joy nicht.
Ein weiteres Dilemma der Serie ist der Name ‘Woodcook’, der im Original sehr schön als Vorlage für so manchen Witz gut ist, doch im deutschen wird es sicherlich auch Zuschauer geben, die damit nichts anfangen können. Das irgendwie zu übersetzen wäre aber noch dämlicher gewesen, man hat das beste daraus gemacht.
Fazit
Ich denke, dass die Sitcom bei Comedy Central mit dem 21:15 Timeslot ein weitaus besseren Platz im Fernsehprogramm bekommen hat, als so manch andere US-Comedy (siehe „Joey“, „Scrubs“). Die Serie ist so konzipiert, dass man nicht zwingend jede Folge sehen muss, es gibt keinen Handlungsstrang, der zwingend wissenswert ist. Man kann einschalten, es sich gemütlich machen und die Unterhaltung genießen. Bestenfalls mit der besseren Hälfte an der Seite, weil es sich zu zweit am besten über andere Beziehungskonflikte lachen lässt und so eben stellvertretend über die eigenen – besonders am Valentinstag.